DPH206 > HOBBY 14.01.26 18:46l 257 Lines 11279 Bytes #999 (999) @ DL BID : E1[DBX20600Q Read: GAST MO1AR Subj: Die Not mit den Nodes Path: MO1BBS<DBX206 Sent: 260114/1632z @:DBX206.#GS.NDS.DEU.EU [Wolfshagen/Harz JO51D] OBcm1.06 LT: From: DPH206 @ DBX206.#GS.NDS.DEU.EU (Holger) To: HOBBY @ DL X-Info: No login password Hallo liebe Funkfreunde, hier folgt mal eine kleine Erläuterung zu den Unterschieden von "AX25IP Packetradio" zu anderen digitalen Betriebsarten wie zB. APRS, JS8CALL oder FT8. ------------------------------------------------------------------------------- Fakt 1: Packet Radio AX25 ist in der heutigen Zeit untrennbar mit dem Internet verbunden, gleichgültig ob der jeweilige Benutzer eine Internetverbindung hat oder nicht! Jedes vermeintlich nur über Funk ausgesendete Signal kann (je nach Sendeleistung) von hunderten bis tausenden von anderen Stationen empfangen werden. Da auf Grund der frei verfügbaren Software viele bereits "vernetzt" sind, kann man in der Regel davon ausgehen, das ein ausgesendetes Signal nach wenigen Sekunden sowohl im WEB als auch im Funk(Netz) evtl. weltweit zur Verfügung steht. Spätestens nach einem erfolgreichen (Funk)Connect zwischen 2 Stationen existiert im Netz eine Route welche diese beiden Stationen verbindet. Jeder NODE (Netzwerk Knoten) der die Signale der beiden Stationen empfangen hat trägt diese mit den von ihm selbst ermittelten "RTT" (Laufzeiten) und Qualitäten in seine MH-Liste ein. Gleichzeitig werden diese Daten den in (Funk)Reichweite befindlichen "Nachbar Nodes" über den sog. "Nodes Broadcast" mitgeteilt. Fakt 2: Auch wenn ein User nur ein Terminal und ein Soundmodem verwendet stehen trotzdem (fast) alle Ax25 Funktionen zur Verfügung. Lediglich die Konfiguration der verwendeten Software bestimmt ob die betreffende Station als Node oder Digipeater oder nur als Terminal arbeitet. Eine nicht den jeweiligen lokalen Gegebenheiten und technischen Erfordernissen korrekt angepasste Node Konfiguration verbessert das Netz nicht, sondern verschlechtert (auf Grund des höheren Datenaufkommens und unnötiger, fehlkonfigurierter Baken) die (Funk)Netzqualität für alle Benutzer! Da die RTT Zeiten und Qualität der H-Routen vorrangig vom Datenaufkommen im Netz abhängen, bremst jeder weitere falsch betriebene Node das gesamte System weiter aus. Man ist also auch beim "Funkbetrieb" immer "im Netz". Also belastet man mit der persönlichen (Funk)Aktivität nicht nur den eigenen Kanal, sondern evtl. weitere Kanäle anderer Nodes in Reichweite welche das empfangene Signal wiederum aussenden... Beim AX25 bestimmt also das (Funk)Netz selbst auf welchem Weg versucht wird das vom Benutzer gewünschte Ziel zu erreichen. Hat ein Benutzer eine vermeintliche Funkverbindung hergestellt und schaut in MH-Liste der connecteten Station (des entsprechen Funkports) und findet dort sein Rufzeichen, bedeutet dies lediglich das die zugehörige Station dieses Signal über Funk empfangen hat. Oft ist jedoch nur sehr schwer (oder gar nicht) erkennbar ob dieses das "Originalsignal" oder nur ein (gedigipeatetes oder geroutetes) Signal eines anderen Nodes ist. Um dieses zu ergründen bleibt oft nur alle zu dieser Verbindung verfügbaren Routen (mit dem R Befehl) aller evtl. beteiligten Nodes zu überprüfen... Will man also (relativ) sicher sein wirklich eine direkte Funkverbindung hergestellt zu haben, sollte man also besser FT8 oder JS8Call für diesen Zweck verwenden. Fazit: Sog. "Nodes" (Netzwerk Knoten) arbeiten mit einem 4 Schichten Protokoll (LayerL1-L4) wobei sie untereinander im L3+L4 datenkomprimiert arbeiten um Bandbreite zu sparen und den Datendurchsatz zu erhöhen. Andere Betriebsarten z.B. "APRS" hingegen nutzen nur die unteren 2 Schichten. Ruft ein User oder ein Digipeater im L2 also einen NODE ist dieses ein "UPLINK" von L2 auf L3-4, verbindet sich ein Node vom L4 zu einem User oder einem Digipeater so ist dieses ein "DOWNLINK" hinunter auf L2. Alle L1-L2 "Frames" (Datenpakete) werden ungerichtet als sog. "UI Frames" versendet, gleichgültig ob man ein "Ziel" angibt oder nicht. Auch spielt es bei AX25 keine Rolle ob man mit einem "unvernetzten" System (z.B. TNC3 + Funkgerät + Solarpanel auf einem einsamen Berg) oder einem PC ohne Internet arbeitet. AX25 ist ein Netzwerksprotokoll, d.h.: alle Stationen welche dein Signal empfangen sind miteinander "vernetzt" und verbreiten (digipeaten oder routen) dieses Signal weiter (abhängig von der Konfiguration der Station), auch wenn man evtl. nur eine Station als Ziel und keinen (via)Pfad angegeben hat. Da der überwiegende Teil der Stationen, welche das Signal empfangen, auch über das Internet vernetzt sind (z.B der DNO206) kann man davon ausgehen das die gerufene Station dich nicht nur direkt, sondern ebenfalls über diverse weitere (via) Routen empfangen kann! Ein Beispiel: Du hast den PORNOD (Alias: POR001-8) direkt empfangen und versuchst ihn zu connecten: "c POR001-8" Jetzt wird's vertrackt: der schnellste Weg ist der direkte, d.h. über Funk, die langsameren Wege führen über die gleichzeitig enstehenden (via)Routen und erreichen den PORNOD einige Sekunden später. Da der PORNOD "H-Routing" (Erläuterung weiter unten) unterstützt entscheidet er selbstätig auf welchen Weg er dir antwortet. Hat er dein Funksignal direkt empfangen und fehlerfrei decodiert, antwortet er dir über Funk, ansonsten wählt er die nächstbessere (schnellere) H-Route. nehmen wir mal an er hat dich direkt empfangen und fehlerfrei decodiert, wählt also den direkten (Funk)Weg: er antwortet dir mit einem "RR (nummer).."(RR=Received Ready) hat dein System dieses korrekt empfangen und decodiert erhälst du: "Connected to POR001-8" und deine Software bestätigt dieses automatisch mit "RR (nummer).." hat der PORNOD deine Bestätigung empfangen und korrekt decodiert ist die Verbindung hergestellt und du erhälst das "Login Prompt" (nur wenn der Sysop es so konfiguriert hat). In allen anderen Fällen wird der Frame (nummer) wiederholt (nummer 1-10) bis er von deinem System korrekt bestätigt wurde. Je nachdem wie lang die Laufzeit "RTT" (Round Trip Time) und die Qualität der Verbindung ist kann dieser Vorgang durchaus mehrere Minuten dauern...- während auf deinem Bildschirm (ausser dem "Handshake" im Monitor) und dem "Connected.. " nix passiert. klappt die Verbindung auch nach max. 10 Versuchen (RR nummer) nicht erhälst du ein "Failure with... ". die zweite Möglichkeit wird noch "vertrackter": weil der Zielnode dein Funksignal direkt nicht korrekt decodieren oder empfangen kann wählt er eine "H-Route". Da die "H-Routen" von der jeweiligen (Node)Software selbst ausgehandelt werden, somit also von den Kenntnissen und Fähigkeiten der (Node)Betreiber (Stationsysops) welche die Konfiguration ihrer Systeme vornehmen abhängig sind, kann man sich leicht vorstellen wie es um die Qualität der im freien (Funk)Netz vorhandenen "H-Routen" bestellt ist. Insbesondere wenn die frei zur Verfügung stehende (End user)"EinKlickSoftware" einem vorgaukelt mit wenigen Klicks für Jederman konfigurierbar zu sein. Der ahnungslose User merkt meist erst nach dem längeren Studium von MBytes an "leicht verständlichem Fachchinesisch" oder "netzwerkvermüllenden Ausprobieren" oder fehlkonfiguriertem "Broadcast" wie komplex die Konfiguration von AX25 Netzwerken ist... Von "unendlichen" Laufzeiten bis zu "toten" Routen oder den "beliebten LOOPs" ist da fast Alles vorhanden. Und das Ganze ist dann auch noch quälend langsam ... Ansonsten läuft das gleiche "Spielchen" ab wie zuvor beim Direkt Connect beschrieben, nur sind die "Variationsmöglichkeiten" noch vielfältiger! Von Verbindungen innerhalb weniger Sekunden bis zu Stunden Wartezeit, oder dem "sanften Einschlafen" der (Terminal)Software ist Alles möglich... Aus dem zuvor erläuterten wird deutlich wo die gravierenden Unterschiede zwischen "AX25 1200Baud Packet" und APRS oder gar JS8Call oder FT8 liegen: Mit APRS oder JS8Call braucht es kein korrekt funktionierendes Netzwerk oder fehlerfrei decodierte Frames um mit anderen Stationen zu kommunizieren! Es genügt ein korrektes Zielrufzeichen (oder via Pfad) einzugeben und zu senden! Sobald der Empfänger meint er hat "Irgendetwas" von "Irgendwem" empfangen kann er versuchen auf die gleiche Art zu antworten. "Peer to Peer"! Verbale Sprachkentnisse reichen! Keine komplizierten Protokolle, Layer, Netzwerke oder aufwendige Konfigurationen ... Ist JS8Call also "besser" als "AX25 Packet"? Aus Sicht des "Kommunikationsinteressierten" mag das eventuell so scheinen, stellt man jedoch das "Technikinteresse" und die Möglichkeit sich selbst "ein wenig schlauer" zu machen in den Vordergrund, sieht es meines Erachtens schon ganz anders aus. Sicher ist die "Herausforderung" in einem eigentlich "katastrophalen (Funk)Netzwerk" mit rechtlich "engen Grenzen" und einer "jahrzehntealten Betriebsart" etwas funktionsfähiges zu erreichen ungleich grösser! Ich habe zumindest diese "Herausforderung" angenommen und werde weiter versuchen (unter Einsatz von etwas "Gehirnschmalz") ein brauchbar funktionierendes System zuwege zu bringen. Ich finde etwas "Schwieriges" zu versuchen macht viel mehr Spass als etwas "Einfaches" nur zu "benutzen". Etwas "Neues" (oder Altes) zu ergründen, zu erlernen und vielleicht sogar etwas zu verstehen ist sicher das grösste Erlebnis, welches man in diesem schönen Hobby haben kann. vy 73 de Holger (Hoko) SWL: 13DPH206 APRS: DPX206, AX25: DPH206 SysOP: DNO206, DBX206, DAX206 Anhang: * Google's KI Erläuterungen zur H-Route: Eine H-Route (oder Heap-Route/Heap-Routing) im Packet Radio ist ein spezieller Routing-Mechanismus in Netzwerken wie dem HAMNET (dem deutschen Amateurfunknetz), der eine priorisierte, hierarchische Pfadauswahl ermöglicht, um Datenpakete effizient durch das Netz zu leiten, oft mit Fokus auf Stabilität und das Vermeiden von überlasteten Knoten. Es ist ein intelligentes Routing, das nicht nur den kürzesten Weg nimmt, sondern den optimalen Pfad basierend auf verschiedenen Faktoren (z.B. Qualität der Verbindung, Auslastung der Knoten) wählt, indem es die äHeap“-Struktur zur Verwaltung möglicher Routen nutzt, ähnlich einem Prioritäts-Heap in der Informatik. Wichtige Aspekte einer H-Route: Intelligentes Routing: Im Gegensatz zu einfachen Digipeatern (die Pakete nur weiterleiten), entscheiden intelligente Knoten (wie z.B. BPQ32-Instanzen), über welchen Weg das Paket am besten zum Ziel gelangt. Qualität und Stabilität: H-Routen zielen darauf ab, Verbindungen mit hoher Qualität und geringer Latenz zu bevorzugen, um zuverlässige Datenübertragung zu gewährleisten. Verfügbarkeit von Pfaden: Sie können auch "Fallback"-Routen definieren, falls eine primäre Verbindung ausfällt, um die Netzwerkkonnektivität zu sichern. Netzwerk-Topologie: Solche Routen werden durch die Konfiguration der Netzwerk-Knoten (Sysops) erstellt und gepflegt, oft unter Nutzung von Protokollen wie AX25. Vereinfacht erklärt: Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen Brief senden. Anstatt ihn einfach zum nächsten Postamt zu geben (Digipeater), gibt Ihnen eine H-Route eine Wegbeschreibung, die berücksichtigt, welche Postämter gerade voll sind, welche Straßen Stau haben und welche Route am schnellsten ist. Das Netzwerk wählt dynamisch den besten Weg für Ihre Datenpakete aus, um sicherzustellen, dass sie gut ankommen. (c) Autor: Holger Koch https://hokodata.com \/ex
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